Artefakte der Imagination
ANA
17:00:00

Imagination ist die grundlegende Triebkraft der Architektur. Und sie ist unsichtbar. Dabei baut sie auf sichtbaren, räumlichen Artefakten auf: Modelle, Pläne, Referenzen, bestehende räumliche Strukturen. Und umgekehrt bringt Imagination selbst Artefakte hervor, die das Unsichtbare sichtbar machen. Wie hängen sichtbares Artefakt und unsichtbarer Imaginationsprozess zusammen?
Imagination bedeutet, sich temporär aus der Realität zu lösen – die Schleife der Imagination. Dafür braucht es Auslöser und Landehilfen: vermittelnde Objekte: „Artefakte der Imagination“. Gelöst von der Realität werden Dinge für uns selbst sichtbar – aber noch nicht für andere.
Wie wird Imagination durch physische Artefakte ausgelöst? Das kann gezielt geschehen, passiert aber auch beiläufig – einfach durch die Begegnung mit Objekten. Manche Gebäude ziehen Assoziationen auf sich: mentale Bilder, ausgelöst vom Sichtbaren. So das Gothaer-Haus in Offenbach am Main: „Für mich ist es das Dino-Haus, weil es von der Seite ganz entfernt wie ein Dino aussieht. Es könnte sein, dass ich mir das ausgedacht habe. Aber ich glaube, es gibt bestimmt noch ein paar andere Menschen, die es auch Dino-Haus nennen.“

Die eigenen mentalen Bilder sind zunächst unsichtbar. Teilen wir sie, werden sie für andere hör- und sichtbar – und lösen neue Assoziationen aus. Konfrontiere ich einen Ort mit dem mentalen Bild einer anderen Person, verändert sich meine eigene Perspektive, und neue Bilder entstehen.
Performativ lassen sich unsichtbare Realitäten eines Ortes sichtbar machen. Besonders wichtig sind dabei die diversen Positionen der Nutzer*innen. Sie können die Perspektive auf einen Ort für andere verändern. Dadurch wird imaginierbar, was der Ort im städtischen Gesamtgefüge bedeutet und was er sonst noch sein könnte.
Spezifische Lernumgebungen öffnen Räume kollektiver Imagination. Hier werden inhärente Beziehungen zwischen den Dingen explizit und geteilt. Erst wenn Beziehungen sichtbar sind, können wir sie diskutieren, infrage stellen und gemeinsam anders imaginieren.

In baulichen Details lassen sich größere, eigentlich unsichtbare Strukturen ablesen. Darin liegt kritisches Potential, und Imagination wird in Gang gesetzt: Wie könnte das, was dahinter liegt, anders sein? Wie können wir Eigentum in der Stadt anders verteilen? Wie können wir Grenzen anders verstehen und überwinden?

Gegebenheiten im Bestand setzen Imagination in Gang: Bestimmte Rahmenbedingungen bringen uns auf neue Ideen. Dabei werden Potenziale des Bestehenden sichtbar, ohne dass verschwindet, was vorher war. In der Konfrontation von Bestehendem mit neuen Erfordernissen – statt im Überschreiben – entsteht Reichtum an Komplexität: Diversität und Widersprüche werden offengelegt.
ANA ist eine kollaborative Architekturpraxis. Wir arbeiten in Deutschland und der Schweiz – in Berlin, Zürich, München und Freiburg in unterschiedlichen Maßstäben und Formaten, von der Transformation bestehender Gebäude über Ausstellungs- und Vermittlungsformate bis hin zu urbanen Interventionen, Prozessbegleitung, Dialogformaten und Forschungsprojekten. Unser Team besteht aus vier Partner*innen und einem Netzwerk von Mitwirkenden, mit denen wir je nach Projektkonstellation zusammenarbeiten.
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